• Bettina Stephanie

„Wenn der Herbstwind die Sicherheit wegbläst“


Über die Wichtigkeit von Halt und Vertrauen in unsicheren Zeiten


Liebe Leserinnen, liebe Leser. Ich habe versucht, die herausfordernde Weltsituation einmal aus Kinderaugen zu betrachten, deren Eltern sich getrennt haben.





„Liebe Mama, lieber Papa.


Ich weiß gar nicht genau, warum ich mich nicht traue einfach so mit euch zu sprechen… egal ich schreibe euch einfach mal. Ja ihr habt richtig gelesen, ich schreibe EUCH BEIDEN.

Habt ihr vielleicht wieder vergessen, dass ihr beide GLEICH WICHTG für mich seid, auch wenn ihr nicht mehr zusammenlebt und euch getrennt habt?

Eines weiß ich aber mittlerweile schon, nämlich dass WIR trotzdem IMMER eine Familie bleiben können. Versprecht ihr mir das? Oder ist das wie mit dem Corona Virus, bei dem man nicht genau weiß, ob es einen ansteckt und ob alles wieder so wird, wie es vorher einmal war?

Wisst ihr, es ist echt schwer für mich zu verstehen, was gerade auf der Welt passiert.

Ich WÜNSCHE mir, dass ihr so bleibt wie ihr seid. Und dass sich zuhause nicht noch mehr verändert. Bitte lest mir weiterhin meine Lieblingsgeschichte vor, auch wenn ihr glaubt, ich bin schon ein Schulkind und kann selbst schon lesen. Bitte helft mir, wenn ich nicht weiterweiß und umarmt mich weiterhin, wenn ich Angst habe.


Zum Glück müssen wir Zuhause NICHT den Abstand einhalten. Ich liebe EURE Nähe.“


Ja, wir ALLE leben gerade in Zeiten des Umbruchs und der großen Unsicherheit. Dies stellt für Kinder ein großes Fragezeichen in den Raum. Sie haben Angst, dass sie alleine gelassen werden, verlieren oft die Orientierung und fragen sich, wie alles weitergehen wird. Vor allem, wenn sich in der Familie auch noch etwas verändert hat.

Da geht es uns Erwachsenen ähnlich. Wir fragen uns, was wir machen können, um unseren Kindern Halt und Zuversicht zu schenken, auch wenn wir selbst nicht so genau wissen, was da gerade vor sich geht. Einen großen Unterschied gibt es allerdings: wir können uns Informationen einholen, uns über den Tellerrand hinaus schlau machen und unseren Kindern weitervermitteln, was wir als relevant und kindgerecht empfinden.

Hier geht für mich hervor, dass Kinder ein Stück weit darauf angewiesen sind, dass WIR Eltern präsent bleiben, auch wenn der Herbstwind die Sicherheit wegzublasen versucht.


In meinem kurzen Brief an UNS Eltern habe ich versucht in kleinen Beispielen aufzuzeigen, was für Kinder wichtig ist, was sie brauchen.

Was kann uns Erwachsenen guttun, wenn wir selbst Angst haben, unseren Kindern nicht das geben zu können, was sie brauchen:

Uns mit Menschen umgeben, die uns guttun, bei denen man gesehen wird und vor allem auch die positiven Aspekte des Lebens im Gespräch und Erleben Platz haben. Oder auch eventuelle Expertenhilfe von außen in Anspruch zu nehmen, die als neutrale Menschen von außen hilfreichen Elementen schenken, die uns zu mehr Sicherheit im Leben verhelfen können. JA zu sagen zu allen Gefühlen, auch zu den stacheligen und herausfordernden, JA zu sagen zu unseren Unsicherheiten, Schwächen und Hilflosigkeit. WIR sind alle wertvoll in und mit allen unseren Rollen.


Was morgen kommt ist ungewiss, JEDOCH die Liebe und Verbundenheit zu UNSEREN Kindern ist etwas, das für IMMER bleibt und genau da können wir Erwachsenen ansetzen ganz ohne Erklärungsversuche, ohne Geschenke, ohne Versprechen, die wir vielleicht gar nicht einhalten können….


(UNSERE) Kinder brauchen unsere Liebe, unser Vertrauen in Sie und den Zauber des Augenblicks. Den gibt es, auch wenn der Herbstwind versucht die Sicherheit wegzublasen



Buchtipp: Bilderbuch ab 3 Jahren „Das verspreche ich dir“ von Eve Tharlet


"Wenn du mir vertraust, dann puste, so fest du kannst und alles wird gut." Bruno, das Murmeltier, vertraut ihr und pustet. Die Blume ist zerstört, nur ihre Samen tanzen wie kleine Fallschirme im Wind. Zunächst ist Bruno sehr traurig. Doch im nächsten Frühling erlebt er, wie gut es war, dem Versprechen der Blume zu vertrauen.“


Herzliche Grüße,

Bettina Stephanie Sohler

von Du im Fokus

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